Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

Kluge Konzepte: Die Jury um Berufseinstiegsbegleiter Norbert Rieger und Schulleiterin Brigitte Lubitz (v.r.) lobte die zahlreichen Einfälle der Projektgruppenteilnehmer um Jaqueline Berger und Israfil Annac (vorne am Tisch). 

FOTO: FLORIAN PFITZNER

Hauptschüler sind eine Idee voraus
Projektgruppe präsentiert handverlesenen Jurymitgliedern zukunftsfähige Unternehmenskonzepte

 

VON FLORIAN PFITZNER
Bünde. Im Klassenraum der 9c der Hauptschule Bünde herrscht eine hochkonzen-trierte Atmosphäre. Gestern trugen die Schüler einer neuen Projektgruppe, die eigene Wirtschaftskonzepte entwickelt hatte, ihre Unternehmensideen vor – die Ergebnisse vieler Unterrichts-stunden standen auf dem Prüfstand.
 
Wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, raunzte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt einst lakonisch. Jaqueline Berger und ihre Mitschüler sind da anderer Meinung.
Die 15-Jährige steht, die Hände gefaltet, am Lehrerpult und erklärt ihre Geschäftsidee. Äußerlich entspannt verrät nur ihre leise Stimme leichte Nervosität.
Vor Jaqueline sitzt an zwei Doppeltischen die Projekt-gruppe des neunten Jahrgangs. Im hinteren Drittel des Klassenzimmers hat sich
die Jury aufgereiht, ein Wirtschaftsvertreter, ein ehe- maliger Lehrer, Schulleiterin Brigitte Lubitz und andere kritische Zeugen.
„Ich schmücke Schlüssel, damit sie nicht mehr so langweilig aussehen, und damit man sie auseinanderhalten kann“, sagt Jaqueline, die für ihr – noch – fiktives Unternehmen den Namen „Key-Design“ auswähl- te. Jaqueline möchte ihre Produkte mit bunten Perlen, glitzernden Steinchen und wasserfester Farbe schmü- cken. Ihr Konzept hört sich fundiert an. Zwölf Wochen hatten die Schüler Zeit, im Zuge des NFTE-Projekts (s. Kasten) Geschäftsideen auszutüfteln.
Lehrmaterialien und Power-point-Vorlagen bildeten die Basis für die Projektarbeit, sagt Rosemarie Kellermeier, die an der Hauptschule Wirtschaftslehre unterrichtet. „Dann sollten die Schüler ausgehend von ihren Stärken und Interessen unternehme-rische Konzepte entwickeln.“
Israfil Annacs Dienstleistungs-betrieb firmiert unter dem knackigen Titel „Weg mit dem Problem“.
Er erledige alles, so Israfil, im Winter Eiskratzen und Schneeschieben, im Sommer Heckenschneiden und Rasen-mähen. „Meine Kunden sind Leute, die keine Zeit für diese nervenaufreibenden Arbeiten haben.“
Laura Nadrowski dürfte, sofern die Pläne eines Tages in die Tat umgesetzt werden, mit ihrem Mitschüler Israfil in mancher Hinsicht in Konkurrenz treten. „Nadrowski Garten-pflege“ richte sich insbe-sondere an „ältere Menschen mit wenig Rente“, erklärt die 16-jährige Schülerin. Trotz einiger Schnittmengen in den einzelnen Konzepten lobt Berufseinstiegsbegleiter Nor- bert Rieger, dass „jeder Teilnehmer seine eigenen Ideen eingebracht hat“.

So auch Mizgin Tangünes, die vielleicht bald die Firma „Spiel & Sport“ aus dem Boden stampft.
Den Plan hat die 16-Jährige bereits in der Tasche: „Ich spiele nicht nur mit Kindern, sondern bewege mich auch  sportlich mit ihnen.“ In ihrer großen Familie kümmere sich Mizgin häufig um die Kleinsten. Daher die Idee.
 
Daniel Schwarz, der bereits in der Realwirtschaft angekom- men ist, lobt als Juror die vielen unterschiedlichen Konzepte der Schüler. „Wir hatten tausend Ideen“, sagt Israfil, der die Projekttage als Gewinn ansieht. Der frühere Lehrer Hans-Georg Keller mahnt derweil an, dass „es wichtig ist, den Markt zu beobachten und mit der Firma im Internet präsent zu sein“. Die wenigen strengen Worte verhallen, als Schulleiterin Brigitte Lubitz resümiert: „Was ich gesehen habe, freut mich sehr.“ Das gilt besonders für „Key-Design“. Jaqueline Bergers Geschäftsidee über- zeugte die Jury am meisten.
 
Neue Westfälische v. 17.12.2010
„Spontanen, unverbrauchten Ideenreichtum stärken"

NFTE, Network For Teaching Entrepreneurship (sinngemäß: Unternehmertumlehrendes Netzwerk), „hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen dabei zu unterstützen, eine neue, positive Sichtweise zu entwickeln, selbst aktiv zu werden und Mut zum Anpacken der eigenen Zukunft aufzubauen“, heißt es auf der Homepage des eingetragenen Vereins. Unternehmerisches Denken und Handeln zu lehren und unter kompetenter Anleitung praktisch erproben zu lassen, sei die zentrale Idee des Curriculums. Der NFTE-Lehrplan stärke Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, „in ihrem spontanen, unverbrauchten Ideenreichtum“ und gebe ihnen das nötige Know-how, um ihre Ideen auch in die Realität umsetzen zu können.

An der Hauptschule Bünde haben Leiterin Brigitte Lubitz und Kollegen NFTE zu Beginn des laufenden Schuljahres eingeführt. Rosemarie Kellermeier hat sich in den vergangen drei Monaten vier Mal in der Woche mit ihrer Projektgruppe zusammengesetzt, um die Unternehmenskonzepte der Schüler zu begleiten. Dabei gingen die Gedanken nicht allein um die Zukunft. Die Schüler sollten sich auch fragen, inwieweit sie mit ihren Geschäftsideen die Möglichkeit haben, ihr Taschengeld aufzubessern.
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