Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde
Motivation statt Noten-Frust

Hauptschule Bünde trotzt dem Ablehnungstrend

Kann auch im neuen Schuljahr fünfte Klassen unterrichten: Auch wenn es hier auf dem Foto anders aussieht, normalerweise haben Schulleiterin Brigitte Lubitz und ihre Lehrerkollegen die Schüler fest im Blick. So können sie individuell fördern und die Schüler auf das Arbeitsleben vorbereiten. Foto: Patrick Menzel 

VON LENNART KRAUSE
Bünde. Die Hauptschule gilt vielerorts als Auslaufmodell. Immer weniger Eltern in Deutschland melden ihre Kinder an den Schulen an – nicht so in Bünde. Im Gegensatz zu anderen Hauptschulen des Kreises, etwa in Enger, gibt es an der Bünder Hauptschule zum neuen Schuljahr zwei Klassen.
Brigitte Lubitz steht lächelnd vor ihrer Klasse. Gerade diktiert sie den Jugendlichen Sätze. Fehlerfreies Mitschreiben ist die Aufgabe. Es ist klassischer Schulunterricht wie an vielen anderen Schulen auch. Doch die Hauptschule Bünde bietet ihren Schülern mehr. In verschiedenen Projekten arbeiten sie praktisch mit Unternehmen zusammen. „Berufswahlorientierung und auch der Teamgedanke sind wichtige Inhalte unsere Schule“, sagt Schulleiterin Lubitz.
Es könnte einer der Gründe sein, warum die Bünder Hauptschule als einzige Schule des Kreises auch zum neuen Schuljahr zwei fünfte Klasse zusammenbekommen hat. Lubitz ist mit Selbstlob allerdings zurück-haltend. „An allen Hauptschulen im Kreis

wird hervorragende Arbeit geleistet. Die Schulleiterin vermutet, dass die hohen Anmeldezahlen durch größere Grundschuljahrgänge zu erklären sind. Bisher haben sich 33 Schüler für die fünften Klassen angemeldet. „Das ist für uns aber natürlich sehr erfreulich“, sagt Lubitz.
Erfreut ist auch die Stadt. Beigeordneter Günther Berg ist von der Qualität der Hauptschule überzeugt. „Das ist die Anerkennung für die tolle Arbeit und freut uns sehr.“ Berg bedauert, ebenso wie Lubitz, dass an anderen Hauptschulen im Kreis keine neuen fünften Klassen gebildet werden konnten. Die Gründe für die Probleme der Hauptschule sind vielschichtig und schwer zu erfassen. „Das Bild, das in der Öffentlichkeit von den Hauptschulen gezeichnet wird, ist häufig ein schlechtes“, sagt Lubitz. Berg glaubt, dass auch der Elternwille ein wichtiger Grund für schwindende Schülerzahlen an Hauptschulen sei. „Eltern wollen für ihr Kind möglichst den höchsten Schulabschluss, das ist ja auch verständlich“, sagt Berg.
Doch die falsche Schulwahl kann schlecht für die Schüler sein. Überforderung und

Hinterherhinken können Schüler hindern, ihr eigentliches Potential auszu-schöpfen. So erklärt sich auch die Beobachtung der Schulleiterin, dass die Gesamtzahl der Schüler eines Jahrgangs mit der Zeit steigt. „Schüler müssen dann zu uns kommen, weil sie es auf anderen Schulen nicht geschafft, diese Frustration kann man ihnen ersparten“, sagt Lubitz.
Aus diesem Grund betont die Schulleiterin: „Hauptschule ist keine Sackgasse.“ Schließlich gebe es nach einem guten Hauptschulabschluss die Möglichkeit, auf andere Schulformen zu wechseln und einen höheren Abschluss zu machen. „Um die Vorbehalte gegen die Hauptschule zu nehmen, arbeiten wir mit den Grundschulen zusammen“, sagt Lubitz.
Gute Argumente hat sie auf ihrer Seite. Ein Kooperationspartner der Hauptschule ist die Firma Hettich. Bereits im Januar erklärte Hans Riepe, Ausbildungsleiter bei Hettich, dass Interesse der Firma an der Partnerschaft. Geschäftsführer Dr. Andreas Hettich wolle das Selbstwertgefühl der Hauptschüler stärken, weil sie nicht in die Ecke gehörten, in der sie oft gesehen würden.
Neue Westfälische vom 10.06.201
KOMMENTAR
Immer weniger Schüler an Hauptschulen
Weg mit den Vorurteilen
VON LENNART KRAUSE
Deutschland hat ein dreigliedriges Schulsystem – eigentlich. Denn die Hauptschule ist leider stigmatisiert. Selbst nach einem guten Abschluss haben die Hauptschüler oft kaum die Chance, einen ordentlichen Arbeitsplatz zu finden.
             Hauptgrund dafür sind Vorurteile. Politiker nutzten die erschreckenden Berichte über die Berliner Rütli-Hauptschule, um Grundsatzdebatten über schlechte Zuwanderung und über- forderte Lehrer zu entfachen. Dabei ist diese Berliner Schule nicht der Alltag. Die Klassen an Hauptschulen sind meist kleiner, der Unterricht und die Förderung individueller. Es wird viel getan, um den Schülern eine Zukunft auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
             Leider haben das viele Unternehmen in Deutschland noch nicht bemerkt. Oft ist das Abitur Grundvoraussetzung für eine Einstellung. Es ist schön zu sehen, dass dieses Problem in Bünde offenbar erkannt wurde, was die Partnerschaft mit Hettich zeigt. Doch leider wird nicht jeder Bünder Schüler hier einen Job finden. Und so werden sie schnell wieder mit den Vorurteilen konfrontiert werden. Deshalb wird es Zeit, dass durch Kampagnen der Ruf der Schulen verbessert wird. Dann können auch wieder mehr Eltern ihre Kinder mit gutem Gewissen zur Hauptschule anmelden.

lennart.krause@

ihr-kommentar.de 
Neue Westfälische vom 10.06.2011

Schulleiterin Brigitte Lubitz (Mitte), ihre Stellvertreterin Cornelia Rohde (links) und Anette Ortmann (rechts), seit zehn Jahren als Sozialarbeiterin an der Schule im Einsatz, sehen die Hauptschule nicht als Auslaufmodell

Bünder Zeitung vom 17.05.2011
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