Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

Unsere Berlinteilnehmer im Stelenfeld (Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Berlin – Ost und West und mittendrin

Schüler und Lehrer als Geschichtsforscher in Berlin

 

Kreis Herford. Unter der Leitung der Kreis-SV-Lehrer Eckhart Schröter, Elke Schoenfelder (Hauptschule Bünde) und Johannes Schröder (Stätte der Begegnung e.V. Vlotho) setzten sich interessierte Jugendliche aus Haupt- und Förderschulen des Kreises Herford sowie der Gesamtschule Hüllhorst aktiv mit dem politischen und historischen Berlin ausein-ander.

Die Organisatoren legten einen Schwerpunkt auf Institutionen und deren politische Arbeit. Im Deutschen Bundestag stellte Frank Schäffler, der FDP-Bundestagsabgeordnete unseres Wahlkreises, seine Aufgabenbereiche vor. In einem regen Meinungsaustausch ging der Abgeordnete auf die vielen Fragen ein und machte dabei seinen liberalen Standpunkt deutlich. Diskutiert wurden u. a. Themen wie Anlegerschutz-gesetz, Bedeutung des Euros, die Bankenkrise und das liberale Verständnis der heutigen FDP. Herr Schäffler betonte, dass sich seine Partei als Partei der individuellen Freiheit verstehe, wobei die Rechte des Einzelnen gegenüber dem Staat gestärkt werden müssen und zwar nach 
gleichen und allgemeinen Regeln unseres Rechtsstaates.    
       Große Sorge bereiten dem Abgeordneten die staatlichen Hilfspakete an einzelne Banken, die daraus ein Geschäftsmodell machen könnten, was mittelfristig zu enormen Schwierigkeiten führe und in totalitären Strukturen enden könnte.
     Die Teilung Berlins, das unterschiedliche Leben der Menschen in Ost und West sowie die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurde im „Geschichtslabor“ des Jugendmuseums Schöneberg durch die Teilnehmer anhand von Fundstücken, Hörmaterial, Filmen und Originaldokumenten erforscht. Schülerin Bettina Meyer (Hauptschule Bünde) betonte in ihrer Auswertung die anschauliche Gestaltung dieses Programmteils. Elke Schoen-felder beeindruckte das didaktische Konzept, denn im Geschichtslabor werden die Jugendlichen zu Akteuren selbstständigen historischen Arbeitens. Sie erhielt zahlreiche Anregungen für ihren eigenen Geschichtsunterricht. Lehrerin Regina Gehring (Pestalozzi-schule Bünde) erhielt großen Applaus für ihre Rap-Prä-sentation auf die ostdeutsche Punkbewegung.
 Der anschließende Besuch in der Gedenkstätte Hohen-schönhausen – von 1950 bis 1990 befand sich hier die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staats-sicherheit der DDR – vertiefte die „hässliche Seite“ der DDR-Diktatur. Eindrucksvoll wurde der unmenschliche Umgang des DDR-Regimes mit politisch Andersdenkenden erläutert. Dass auch heute noch demokratische Staaten wie die USA ein „Guantanamo“ aufrechterhalten, darauf wies die begleitende Historikerin hin. Die Gruppe wird am Ende des Besuchs ermuntert, sich aktiv einzumischen und damit unsere Demokratie lebendig zu halten. In der Nachbesprechung äußerte Nils Schneidereit (Hauptschule Bünde) nachdenk- lich: „Ich hatte mir die Verhältnisse im Untersuchungs-gefängnis nicht so grausam vorgestellt“.
Um den Teilnehmern das Berlin zur Zeit der national-sozialistischen Herrschaft näher zu bringen, besuchten sie die neue Ausstellung „Topographie des Terrors“ in der Prinz-Albrecht-Straße. An histo-rischer Stelle werden die Strukturen des NS-Herrschaft-sprinzips deutlich gemacht; diese Ausstellung stellt „die Täter“ in den Mittelpunkt ihrer

Präsentation. Schüler und Lehrer zeigten sich  gleichermaßen erschrocken
 darüber, wie perfekt und detailliert das NS-System - vom einfachen Ordnungshüter bis zum Reichsführer- gearbeitet hat, besonders im Umgang mit inneren und äußeren Feinden. Die betreuende Historikerin machte deutlich, dass nur ein Drittel der NS-Führung durch die Alliierten verurteilt bzw. hingerichtet worden sind, während der andere Teil bedeutende und einflussreiche Posten in Wirtschaft und Politik im Nachkriegsdeutschland bekleidete. Diese Tatsache macht auch verständlich, dass es viele Jahre gedauert hat, diese Ausstellung genehmigt zu bekommen.
      Am Ende der dreitägigen Demokratiewerkstatt fasste Schülersprecherin Alisa Müller stellvertretend für die Gruppe zusammen: „Ich fand das Seminar sehr eindrucksvoll und kann mir jetzt vieles besser vorstellen. Unsere Fragen wurden ernst genommen. An den „echten“ Plätzen von Geschichte und Politik gewesen zu sein, macht vieles klarer und verständlicher. Man weiß jetzt eher, was man für seine eigene Zukunft will oder auch nicht will“.

Text - Foto: Elke Schoenfelder

11. 02. 2011
Fotoalbum
Kreis-SV in Berlin 2011

Fotos: E. Schoenfelder

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