Hauptschule Bünde
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Präventive Maßnahme: Die Schüler der 9a der Hauptschule Bünde und Klassenlehrerin Elke Schoenfelder (Mitte) haben beim Workshop herausgearbeitet, was dazu führen kann, dass sich Menschen radikalisieren. Die Ergebnisse haben sie auf Pappfiguren festgehalten. Fotos: Niklas Krämer

"Radikal religiös - nein danke!"

Prävention: Neuntklässler der Hauptschule Bünde nehmen an einem Workshop teil, in dem über den gewaltbereiten Salafismus aufgeklärt wird. Erstmalig findet der Kursus an einer Schule im Kreis Herford statt

  Von Niklas Krämer

Bünde. Lange überlegen muss Seyit Böyükbas nicht. "Man sollte sich nicht seinen Vorurteilen hergeben, sondern lieber aufklären", sagt der 16-jährige Hauptschüler, was er im Workshop "Religiös begründeter Extremismus" gelernt hat. Vanessa Michalik sitzt neben ihm und nickt. "Ich weiß jetzt, wie ich mit einer Person umgehen soll, wenn ich merke, dass sie sich radikalisiert hat", sagt die 16-Jährige. Am Freitag hat die Klasse 9a der Hauptschule Bünde bei einem Workshop mitgemacht, in dem präventiv über den gewaltbereiteten Salafismus aufgeklärt worden ist.

Die Hauptschule Bünde hat dabei eine Vorreiterrolle inne: Sie ist die erste Bildungsstätte im Kreis Herford, an der solch ein Workshop veranstaltet wurde. Träger des Präventionsprogramms "Wegweiser", das vom Innenministerium gefördert wird, ist der Kreisverband Bielefeld der Arbeiterwohlfahrt (AWO). "Es handelt sich dabei nicht um ein Aussteigerprogramm, sondern um eine reine Vorbeugung", sagt Kirsten Hopster, Geschäftsführerin der AWO Bielefeld. Klassenlehrerin Elke Schoenfelder war von der Maßnahme begeistert und hatte den Kontakt hergestellt.

Um sich auf den Workshop vorzubereiten, mussten die Schüler den Roman 

"Djihad Paradise" lesen - einen 470-Seien-Wälzer. Schüler sind heutzutage lesefaul? Weit gefehlt. "Sie konnten viel über das Buch erzählen, hatten Wissen voraus. Das war schön zu sehen", lobte Schoenfelder. In dem Roman geht es um Jugendliche, die in ihrem Leben oft gestolpert sind, so dass sie das nächste verlockende Angebot annahmen. "Und das Buch passte genau zur Thematik des Workshops", sagte Hopster.

Ist der Islam eine friedliche Religion? Haben die Medien einen besonderen Einfluss? Zu Beginn des Workshops mussten die Jungen und Mädchen zu solchen Fragen eine Position einnehmen. So kamen sie umgehend mit den drei "Wegweiser"-Beratern ins Gespräch.

Zwei Pappfigurenbleiben im Klassenraum In Kleingruppen überlegten sich die Schüler, unter welchen Umstände sich Menschen radikalisieren könnten. Ihre Antworten: Einsamkeit, Gewaltbereitschaft, Labilität und durch eine Gehirnwäsche. Diese und weitere Faktoren notierten sie auf einem Pappmännchen. Auf eine weitere Pappfigur wurden Dinge geschrieben, die einer Radikalisierung entgegenwirken. Liebe und Bildung - diese Begriffe standen dort besonders groß. Die Pappfiguren werden nun im Klassenraum angebracht. "Dann sind sie 

für jeden sichtbar. Das dient der Prävention und Erinnerung", sagt Schoenfelder.

Die Stärkung der Jugendlichen stand im Vordergrund. "Sie sollen sich ein eigenes Meinungsbild machen und niemandem blind vertrauen", sagten die Berater. "Wichtig ist, dass sie Verantwortung übernehmen für sich und andere."

Für eine mögliche Radikalisierung gebe es verschiedene Anzeichen, stellten die Berater vor. Dazu zählen das Zurückziehen aus dem Freundeskreis, das Ändern der Kleidung oder das Anschauen von Videos im Internet, die Gewalt in Verbindung mit Salafismus zeigen. "Unser Ziel war es, dass die Jugendlichen darüber nachdenken, wie das Ganze sie betrifft", sagte Hopster. Ein Junge habe im Vorfeld gesagt, dass er nur Fußball spiele - und mit der Problematik nichts zu tun habe. "Nach dem Workshop wollte er wissen, wie er mit einer möglichen Radikalisierung eines Kumpels umgehen sollte."

Und was würde Schülerin Vanessa Michalik im Fall der Fälle machen? "Ich würde mit der Person selbst sprechen - und das Gespräch mit Eltern und unseren Vertrauenslehrern suchen."

 

Neue Westfälische vom 14.04.2018

 

Im Austausch: Vanessa Michalik (v.l.), Seyit Böyükbas und Alperen Saf lesen gemeinsam eine Textstelle im Roman "Djihad Paradise". 

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