Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

 

1986/1987

 

 

In diesem Schuljahr wurde eine weitere Baumaßnahme in Angriff genommen. Man begann in einem der 4 Pavillons einem Holzbearbeitungsraum, einen Metallbearbeitungsraum, einen Maschinenraum und einen Materialraum einzurichten. Die Maßnahme war notwendig geworden, da der bisherige Werkraumbereich im Keller des Altbaus aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden konnte.
Am 11.02.1987 bekundete der Schulausschuss der Stadt Bünde seine Absicht, die Pläne zur Umgestaltung der Hauptschule Bünde-Mitte in eine Ganztagsschule zu unterstützen. Nun mussten der Schulträger und die Schule selbst in ihren Mitwirkungsorganen Planungskonzepte erarbeiten und Entscheidungen treffen. Es begannen lebhafte und zum Teil auch kontroverse Beratungen in allen Gremien.
Vom 18.05. – 22.05.1987 führte die Schule eine zweite Projektwoche durch. Sie stand unter dem Thema „Wir in unserer Stadt“. Die 22 Projektgruppen waren daher diesmal auch außerhalb des eigentlichen Schulbereichs aktiv. So erkundete man z.B. die Aufgaben von Feuerwehr, Polizei und der Post. Die Schülerinnen und Schüler erforschten im biologischen Bereich die Lebensräume Butterbach und Else. Soziale Einrichtungen wie Altenheime und Kindergärten wurden besucht und man machte sich kundig über das Vereinsleben in Bünde sowie über die Geschichte der Zigarrenindustrie. Am Freitag der Woche präsentierten alle Gruppen ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit in einer großen Ausstellung in der Aula.

Das Schuljahr endete mit einer stimmungsvollen Feier für die 86 Entlassschülerinnen und Entlassschüler erstmalig an einem Samstagvormittag, zu der auch Eltern, Vertreter der Stadt Bünde und die Presse geladen waren. Diese neue Form der Schulentlassung fand bei allen beteiligten großen Anklang und sollte in Zukunft einen wichtigen Platz im Schulleben dieser Schule einnehmen.

 

  Hauptschule Mitte will den Ganztagsbetrieb

 Mitwirkungsgremien sollen noch ihre Voten abgeben

Bünde (FW.) „Wichtig ist, dass jede einzelne Hauptschule für sich etwas tun muss, um für ihre Schüler das Beste zu erreichen." Für den Rektor der Hauptschule Bünde-Mitte, Horst Pieper, ist das neben den bereits vorhandenen Aktivitäten die Einrichtung des Ganztagsbetriebes. Das erweiterte Bildungsangebot an den Nachmittagen, das durch die verbesserte räumliche und sächliche Ausstattung und die überaus gute personelle Versorgung möglich geworden sei, mache bereits einen erheblichen Teil aus und komme dem Ganztagsbetrieb schon nahe. Was fehle, sei die Versorgung der Schüler zwischen Vor- und Nachmittag, die Betreuung und das Mittagessen.

Das Planungskonzept der Hauptschule Bünde-Mitte war gestern Abend Gegenstand der Sitzung des Schulausschusses. Um es vorweg zu nehmen, der Ausschuss konnte sich noch nicht auf eine Befürwortung des Konzeptes verständigen (SPD-Sprecher Siegfried Hagemann: Ich kann dem doch noch nicht zustimmen und dann damit in die Fraktion gehen), nahm aber das Konzept zur schrittweisen Einführung des Ganztagsschulbetriebs, zunächst verpflichtend für die Jahrgänge 5 und 6 und auf freiwilliger Grundlage für die Jahrgänge 7 bis 10, zur Kenntnis. Bevor eine konkrete Entscheidung getroffen wird, sollen im einzelnen noch Detailfragen geklärt, eine Abstimmung mit der Hauptschule Bünde-Nord herbeigeführt, Kostenermittlungen angestellt und die Mitwirkungsgremien der Schule beteiligt werden. Die Verwaltung wurde vom Schulausschuss beauftragt, das Konzept eventuell zu konkretisieren und die bei einer Realisierung entstehenden Kosten zu ermitteln. Außerdem ist zu untersuchen, wie sich eine Zusage der Stadt auf Übernahme von Schülerfahrkosten für Schüler außerhalb des Einzugsbereiches der Hauptschule Bünde-Mitte finanziell auswirken könnte. Nach einer vorausgehenden Beratung in den Fraktionen soll die Angelegenheit erneut im Schulausschuss vorgelegt werden.

In der Diskussion wurde aber gleich wohl deutlich, dass dieBegründungen der Schule für den Schritt zum Ganztagsbetrieb in allen Fraktionen Unterstützung finden. Die Schule sieht es als besondere Zielsetzung der Ganztagsschule an, einerseits lernschwache Schüler besonders zu fördern, gerade auch für ausländische Schüler (ca. 20 Prozent Anteil) geeignete Förder- und Integrationsmöglichkeiten zu schaffen, die Zahl der Nicht-versetzung zu reduzieren und familienergänzende und unterstützende Betreuungsunterrichtung zu sein, zum anderen aber auch eine sinnvolle und attraktive Ergänzung des schulischen Angebots in der Stadt Bünde allgemein und im besonderen eine Aufwertung der Schulform Hauptschule zu sein

Die kostenverursachenden Maßnahmen - Um- und Ausbaumaßnahmen für  Speiseraum,  Essenausgabe und  Aufenthaltsraum für  rd.  30 000 bis 35 000 DM; Zuschuss für Mittagessen in Höhe von 16000 bis 20000 DM, eventuell höhere Schülerfahrkosten - hielt dann aber Sprecher aller Fraktionen davon ab, der gewünschten Einführung zum Beginn des Schuljahres 1987/88 zuzustimmen. Auch der Appell von Schulrat Horst Ziebell „für einen zügigen Start in dieser Sache, damit der Planungselan nicht gelähmt wird", konnte die Ausschussmitglieder nicht umstimmen. Willi Möcker (CDU): „Der Haushaltsplan 1987 sieht keine Mittel vor. Auch außerplanmäßig sehen wir keine Möglichkeit, Mittel bereitzustellen. „Ich schlage deshalb als Beginn das Schuljahr 1988/89 vor.“

Im Übrigen unterstrich Schulrat Ziebell die Ausführungen von Schulleiter Pieper, die in Abstimmung mit dem Dezernenten des Regierungspräsidenten und dem Schulamt des Kreises gefasst worden seien. Ziebell wollte im Übrigen auch die Nöte und Ängste der benachbarten Schulen nicht überbewertet wissen. Ziebell: „Das Beispiel Sennestadt, wo es ja eine Hauptschule mit Ganztagsbetrieb gibt, hat gezeigt, dass immer ein Austausch kommt. Das pendelt sich immer ein."

Neue Westfälische vom 25.05.1987

Interessante Projektwoche an Hauptschule Bünde-Mitte / Zigarrenindustrie kennengelernt / Vortrag über Tierwelt

Schüler betreuen alte Menschen und schnuppern Landluft

Bünde (jh) Echten Tabakduft schnuppern, Koch- und Küchenkünste von der Pizza bis zum Pickert demonstrieren, Feuerwehr, Polizei und Post einmal auf die Finger schauen, direkten Kontakt zu alten Menschen in unserer Stadt herstellen, um diese dann zu pflegen - Wünsche,Interessen und Aufgaben von Schülern, die im alltäglichen Schulrhythmus nur allzu leicht übersehen und verdrängt werden, da doch dem Lehrplan gefolgt werden muss. Dieser Lehrplan wurde nun tatsächlich für eine Woche in der Hauptschule Bünde-Mitte etwas abgeändert und erweitert, was einerseits für eine willkommene Abwechslung vom tristen Schülerdasein sorgen, andererseits aber auch zu engagiertem Einsatz aller Pennäler im Sinne der Sache führen sollte.

Während im vergangenen Jahr die Kulturtage für den Höhepunkt des Schuljahres standen, bildeten die Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 heuer für eine Woche 22 Projektgruppen, die im Durchschnitt ungefähr 15 bis 20 Teilnehmer umfassten und im Rahmen ihrer "Projektwoche" in den letzten Tagen aktiv an den verschiedensten Themengebie- ten aktiv und intensiv arbeiteten, wobei hier Lerninhalte in etwas lockerer Atmosphäre als sonst abgehandelt wurden.
So informierten sich dann in einer besonders starken Gruppe 27 Teilnehmer über die Zigarrenindustrie Bündes heute und in früheren Zeiten, die Geschichte der Zigarre von 1492 bis 1987 sowie über die zolltechnischen Hintergründe, wobei man natürlich das Heimatmuseum und auch das Zollamt aufsuchte, um an das begehrte Wissensmaterial zu gelangen. Am Freitag konnte diese Projektgruppe schließlich mit einer Mitarbeiterin einer Zigarrenfabrik, die die Kunst des Zigarrendrehens präsentierte, aufwarten. Wie bereits erwähnt, pflegten zwei Schüler-gruppen alte Menschen in der Altentagesstätte Bünde-Mitte, im

Seniorenklub der katholischen Kirche und im Altenheim Jakobi-Wehme, was besonders lobenswert erscheint, da einige Mitglieder der Gruppe dieser Tätigkeit auch in Zukunft weiter nachgehen möchten. Recher-chiert wurde dann, ebenso wie in Themengebieten wie "Das Bünder Vereinsleben" oder "Fahrradwege um Bünde", auch direkt vor Ort, zum Beispiel in der Bünder Feuerwache und in der Kreisfeuerwehrzentrale in Eils- hausen, wo man sich von den "Blauröcken" ihre Fahrzeuge vorführen ließ. Aber auch auf den heimischen Bauernhöfen empfing man die Hauptschüler freundlich und gab ihnen Eindrücke aus erster Hand von der Entwicklung der Landwirtschaft; dabei schnupperten die Interessenten durchaus frische Landluft und gingen den Bauern tatkräftig zur Hand.
Als positiv bewertete Direktor Horst Pieper in seinem Fazit schließlich einerseits, dass sich wieder einmal viele Schüler um die Gestaltung des Schulge-bäudes und der Gartenanlagen verdient gemacht hätten, so reparierte und baute man Bänke, legte ein Schachfeld an, bemalte kahle Wände und kümmerte sich

um die Pflanzenwelt; außerdem  betonte Horst Pieper die Tatsache, dass zahlreiche Gruppen ein naturverbundenes Thema gewählt hätten, so dass das Angebot hier sehr groß war: Haustiere und deren Haltung, Problematik der Tierversuche, Erhaltung der Tierart Schmetterlinge, sowie Lebens- raum Else und Lebens- raum Bach mit Luft- und Wasseranalysen zur Feststellung des Verschmutzungs-grades stellen nur einen Bruchteil des Programms dar. Eine besondere Attraktion boten die Veranstalter der Projektwoche den Schülern dann noch am Freitag, als die Ergebnisse der Untersuchungen und Gruppen-arbeit in Form einer großen Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden: Dr. Rolf Lachner von der "Stiftung für die Natur - Ravensberg" hielt einen Vortrag zum Thema "Die heimische Tierwelt". Einige Tage nach der durch die Stiftung ins Leben gerufenen Umweltaktion im Bünder Rathaus zeigte Dr. Lachner dabei unter anderem Lichtbilder eines Vogelschutz-gebietes im Gewinghauser Bruch, das mit seinen 2 Hektar Größe einmal Kern eines Naturschutzgebietes werden soll,

in dem dann auch andere Tiere wie die Sumpfschildkröte und die ebenfalls bedrohte Ringelnatter eine Chance des Überlebens finden könnten. Im Rahmen der Projektwoche bot sich dem Naturexperten an dieser Stelle die Möglichkeit, sich an die Jugend zu wenden, ihnen die Gefahren der Verschmutzung durch die Menschen zu verdeutlichen und interessante Bücher zu diesen Aspekten ("Kinder brauchen Tiere", "Geh mit offenen Augen durch die Natur") vorzustellen, die letztendlich auch Einzug in die Schülerbücherei finden müssten. Im übrigen erklärte Dr. Lachner, dass die Jugend heute sehr gut über die Zusammenhänge in der Natur Bescheid wisse und daher nicht alleine den naturfremden Faszinationen, wie zum Beispiel des Autos, ausgesetzt werden dürfe. Igel, Feldhasen und Wildkaninchen könne man auch in den Nutzgärten antreffen, da sie, so der Referent, auf der Flucht vor den Unruhen in der Natur seien und aus eben diesem Grunde ein besonders lückenloses Verständnis erforderten.

 

Neue Westfälische vom 25.05.1987

Luft- und Wasseranalysen zur Feststellung des
Verschmutzungsgrades gehörten zu den vielen
naturverbundenen Projektgruppen einfach dazu.
Foto: Häcker

Die Kunst des Zigarrendrehens demonstrierte Käthe Barzik

den staunenden Schülern meisterhaft.

Weitere Bilder von der Projektwoche

Hauptschule »life« bringt Spaß für Eltern, Schüler und Lehrer!

Interview mit Rektor Pieper zur »Projektwoche« - Ausstellung beendet Aktion

Bünde (lik). Mit großem Engagement sind die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Bünde-Mitte dabei. Im Rahmen der Projektwoche setzen sie sich in 22 verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen mit ihren Lehrern intensiv und praxisnah mit einem selbst gewählten Thema auseinander. Dafür wurden die Klassenverbände aufgelöst, damit die Hauptschüler einmal eine ganz andere Art von Unterricht kennen lernen. Die unter dem Motto »Wir in unserer Stadt «stehende Aktion wird am  Freitag, 22. Mai, mit einer

Ausstellung in der Hauptschule an der Heidestraße beendet. Dort werden dann nach Aussagen von Rektor Horst Pieper und seinem Konrektor Joachim Weiß die erarbeiteten und zusammengetragenen Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie lebt es sich während einer solchen Woche in der Schule, welche Probleme entstehen und welche Ziele werden damit verfolgt? Redaktionsmitglied Karsten Linke sprach mit den beiden Lehrern.

? Herr Pieper, sie veranstalten jetzt zum zweiten Mal eine Projektwoche. Welche Zielsetzung verfolgen sie mit dieser Aktion?
Pieper: Wir wollen in erster Linie mit solchen Aktivitäten dem einzelnen Schüler wieder mehr Lust am Lernen vermitteln. Dieser Spaß und die Freude an der Unterrichtsreihe überträgt sich dann, so haben es die Erfahrungen der ersten Projektwoche gezeigt, auch auf den normalen Unterricht. Natürlich wollen wir unsere Schüler auch zu lebensfähigen, praxisbezogenen Menschen erziehen, die in der heutigen vom Konkurrenzkampf beherrschten Gesellschaft bestehen können.

? Wie entsteht eigentlich eine Projektwoche? Welcher Zeitaufwand war nötig, um alle Planungen unter einen Hut zu bekommen?
Pieper: Nachdem von den Schülern wieder der Wunsch geäußert worden war, eine zweite Projektwoche zu veranstalten, haben wir zuerst eine Organisationsgruppe zusammengestellt. In mehreren Sitzungen wurde darüber beraten, unter welchem Motto die Aktion stehen sollte. Auch musste die Organisationsgruppe darüber entscheiden, welche Projektgruppen angeboten werden sollten. 

Das größte Problem war sicherlich das Zusammenstellen der umfangreichen Materialliste. Insgesamt haben wir mehr als sechs Monate gebraucht, um alle notwendigen Vorbereitungen für den reibungslosen Ablauf der Woche zu treffen.

 

? In welchem Maß haben sich die Eltern der Schüler an den Vorbereitungen und der eigentlichen Aktion beteiligt?

Pieper: Wie schon bei der ersten Projektwoche im Jahr 1982 wurde auch diesmal eine Kaffeestube, ein Bratwurststand und ein Getränkestand von den Eltern eingerichtet. Besonders anerkennenswert aber ist die Tatsache, dass die Eltern stundenweise die Betreuung der Cafeteria übernehmen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Kindern in deren Projektgruppe zu arbeiten oder sie bei einer Erkundung zu begleiten.

 

Mit großem Eifer und viel Spaß sind in diesen Tagen die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klasse in ihrer Projektgruppe damit beschäftigt, eine original italienische Pizza zu backen. Ob das Schneiden der Tomaten oder Auflegen des Thunfisches, alles machen die

Schüler allein.

Rektor Horst Pieper erläuterte die
   Aufgaben  einer Projektwoche.
s

? Die Hauptschule ist landesweit in Ihrer Existenz bedroht. Bietet sich eine Projektwoche nicht auch als >Werbewoche < im Konkurrenzkampf mit anderen Schulformen an?

Pieper: Wir begrüßen natürlich, wenn schulische Aktivitäten nach Außen transparent werden. Trotzdem wollen wir damit in keinen Konkurrenzkampf mit anderen Schulformen eintreten. Die Projektwoche ist in erster Linie für unsere Schüler gedacht!

 

? Im Rahmen des erweiterten Bildungsangebotes gibt es schon zahlreiche Arbeitsgemeinschaften. Wie passt sich eine zusätzliche Projektwoche in das Schulprogramm ein?

Pieper: Da der Wunsch nach einer zusätzlichen Projektwoche ausschließlich von den Schülern geäußert wurde, ist die Aktion eine beliebte Veranstaltung und interessante Abwechslung im Schulalltag. Darüber hinaus kann eine solche Informationstour durch die eigene Heimatstadt im normalen Unterricht so nicht stattfinden.

 

Westfalenblatt vom 21.05.1987

Foto: Karsten Linke

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