Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

 

1988/1989

 

 

112 Anmeldungen für das neue 5. Schuljahr zeigten deutlich, dass die Konzeption des Ganztagsbetriebs bei den Eltern auf große Zustimmung gestoßen war. So konnten wieder 4 Eingangsklassen gebildet werden. Neben den inhaltlichen und stundenplantechnischen Veränderungen ergaben sich für die Schule aber auch organisatorische und räumliche Neuerungen. Im Vorraum der Aula installierte man für die Mittagszeit eine Essenausgabe mit angegliederter Spülküche. Die Aula selbst erhielt eine zweite Funktion als Mensa und wurde mit entsprechendem Mobiliar ausgestattet. Außerdem konnte mithilfe ehemaliger Schüler der frühere Werkraum im Keller des Altbaus zu einem Aufenthaltsraum mit verschiedenen Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler während der Mittagspause umgebaut und eingerichtet werden. Mehrere von Lehrerinnen und Lehrern betreute Angebote standen den Jungen und Mädchen für die Überbrückung der Zeit bis zum Beginn des Nachmittagsunterrichts ebenfalls zur Verfügung.
Beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels, an dem sich die Schule jedes Jahr beteiligte, gelang der Schülerin Sabine Riemann ein herausragender Erfolg. Die Sechstklässlerin wurde ganz überlegen Kreis-, Bezirks- und Landessiegerin in der Gruppe A (Haupt- u. Realschulen). So durfte sie im Juni 1989 für 3 Tage nach Frankfurt fahren, um dort an der Entscheidung auf Bundesebene teilzunehmen. Bei dieser Veranstaltung belegte sie dann einen hervorragenden 2. Platz.
Da dieses Schuljahr ganz im Zeichen der Einführung des Ganztagsbetriebs stand, was viel Zeit und Kraftaufwand vom gesamten Kollegium forderte, verzichtete man am Ende auf eine der Sonderaktion, wie sie in den vergangenen Jahren üblich gewesen waren. 

 

112 Schüler proben Ganztagsbetrieb
Aula heißt nun Mensa: Eifrige Mütter helfen bei der Essensausgabe

Hauptschule Bünde-Mitte mit besonderem Förderangebot

Bünde (-sch-). Swenja (10) gefällt am besten, dass sie mit dem Computer spielen darf. Der gleichaltrige Christian sieht es praktisch: »Dann brauche ich keine Hausaufgaben mehr machen, wenn ich nachmittags daheim bin« Beide besuchen die Klasse 5c in der Hauptschule Bünde-Mitte - ein Ganztagsbetrieb. Swenja und Christian haben 110 Mitschüler. Im Schuljahr zuvor waren nur 42 zur Hauptschule an der Heidestraße gekommen. »Der Zuspruch ist Folge unseres Angebotes«, meint denn auch Rektor Horst Pieper nicht ohne Stolz. Für ein Jahr darf seine Schule den Ganztagsbetrieb erproben. Wenn sich dann wieder genügend Fünftklässler anmelden. wird aus diesem Versuch die Regel. Obwohl das Gebäude nicht nur die neue Aufgabe konzipiert war, konnten nicht zuletzt dank der Eigeninitiative von Lehrern, Schülern und Eltern die nötigen räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Fünf Wochen nach Schulbeginn hat sich der Ganztagsbetrieb eingespielt, längst ist die Premierenstimmung in Routine umgeschlagen, haben sich die Schüler in ihrer neuen Umgebung eingelebt. Die Schulglocke klingelt in der Hauptschule Bünde-Mitte jetzt erst um 16 Uhr zum letzten Mal.

Am Aufgang zur altehrwürdigen Aula drängeln sich in der Mittagszeit die Kinder. Aus der Halle, die früher den Rahmen für festliche Schulveranstaltungen abgab, ist die Mensa der Schule geworden. Zwei Wahlessen werden jeden Mittag angeboten. Ein Lehrer knipst die Essenskarten ab, Eltern sorgen dafür, dass die Pennäler eine ordentliche Portion bekommen. Bis zum Jahresende haben sich fünf Mütter bereit erklärt, bei der Essensausgabe zu helfen. Die Mahlzeiten werden von einer Großküche angeliefert, und beim Abwasch sind ältere Schüler dabei.

Wir könnten schon noch Hilfe gebrauchen«, meint Christa Stenzel zu ihrer neuen Aufgabe als »Kantinenwirtin«. Sie hofft auf mehr Elterninitiative bei der Arbeit in der Mensa, solange nicht hauptamtliche Kräfte den Dienst übernehmen können. Die engagierte Mutter glaubt, dass sich ihr Einsatz für die Ganztagsschule lohnt: »Vor allem der Förderunterricht hilft Kindern«.

Der Förderunterricht ist Teil des freiwilligen Nachmittagsangebotes an der Hauptschule Bünde-Mitte. Mathematik und Rechtschreiben werden dann besonders geübt. Freiwillig ist auch die nachmittägliche Hausaufgabenhilfe. Nur zweimal in der Woche findet nach der Mittagszeit Pflichtunterricht statt. Dann stehen vor allem »praktische« Fächer an: Kunst, Textilgestalten und Musik, aber auch Biologie und natürlich Sport.

Bei Swenja, Christian und ihren Mitschülern ist besonders das »offene Mittagsangebot« beliebt. Dann lockt der Computerraum, wird in der Turnhalle Sport getrieben, besteht die Möglichkeit, in der Schülerbücherei zu stöbern oder sich bei Gesellschaftsspielen abzulenken. »Nie- mand muss teilnehmen«, betont Schulleiter Pieper, »die Kinder können nach wie vor die Mittagszeit auch zu Hause verbringen«.

»Das in der Schule Erlebte soll schließlich auch daheim transparent gemacht werden«.

»Lernen lernen« ist für die Pädagogen der Hauptschule Bünde-Mitte die Devise. Dass dabei auch der konventionelle Unterricht nicht zu kurz kommt, beweisen auf der Stundentafel der fünften Klassen die »fachgebundenen« Einheiten am Vormittag.

Das Konzept für Bünde-Mitte fußt auf dem Ganztagserlass des Kultusministeriums »lässt uns aber genügend gestalterische Freiheit«, wie Schulleiter Pieper meint. Personell wird seine Schule aber wohl erst nennenswert verstärkt werden, wenn sich der Ganztagsbetrieb über mehrere Jahrgangsstufen erstreckt. Dass die Lehrer es verstehen, auch selbst mit anzupacken, haben sie bewiesen, als sie zusammen mit Schülern einen neuen Aufenthaltsraum im Keller gestalteten. Und dass die Schaffung weiterer Einrichtungen für die Ganztagsschule auch Unterrichtsstoff werden kann, zeigt die Jahrgangsstufe 10, die für ihre Mitschüler Schließfächer bauen.

 

Bünder Zeitung vom 16.09.1988

 
 
 
 
Die Aula wurde zur Mensa: Lehrer und Eltern helfen bei der Essensausgabe, damit die Kinder gestärkt in den  Nachmittagsunterricht gehen können.
Der Ganztagsbetrieb hat sich eingespielt.
Foto: M. Schläger

Positive Bilanz für den Ganztagsbetrieb:
»Zielsetzung aufgegangen«

Bünde (-sch-). »Unsere Zielsetzung ist aufgegangen«, kommentiert Rektor Horst Pieper nach Ablauf eines Schulhalbjahres die Einführung des Ganztagsbetriebes an der Hauptschule Bünde-Mitte. Für die Fünftklässler der Schule ist nicht schon am Mittag Schluss, sie bleiben auch nach dem Essen noch in ihrer Penne - »und das mit großer Freude«, weiß der Schulleiter.

Die Mischung aus Regelunterricht, Arbeitsstunden, besonderen Förde-rungsmaßnahmen und attraktiven Freizeitangeboten war im Vorjahr auf breites Interesse gestoßen. 111 Kinder wurden angemeldet.

»Ein längerer Verbleib in der Schule ist für die Hauptschüler eine große Chance«, meint Pieper und glaubt, den Pennälern durch individuellere Betreu- ung mehr »Bezug zu Leistungs-bewusstsein« geben zu können.

Mittagessen in der Schule: Fünftklässler im Ganztagsbetrieb lassen sich das Mensaessen schmecken.

Foto: Michael Schläger

Vor allem sieht der Pädagoge im Angebot seiner Schule größere Chancengleichheit. Was sonst von den Schülern zu Hause erledigt werden musste, wird jetzt in zusätzlichen Arbeitsstunden von allen gemeinsam unter Aufsicht des Lehrers erarbeitet.

 

Das Ganztagsangebot in Bünde hat bereits Nachahmer gefunden. In Enger soll künftig in ähnlicher Weise verfahren werden. Am Mittwoch, 8. Februar, sind Eltern aus der Wittekindsstadt eingeladen, den Schulbetrieb kennenzulernen.

 

Bereits heute können sich die Eltern der Bünder Viertklässler über das Schulkonzept informieren. Ab 19 Uhr stehen Rektor Pieper und seine Kollegen in der Aula der Schule zur Verfügung.

 

Bünder Zeitung vom 31.01.1989

Bünder dürfen dreizehnjähriger Hauptschülerin die Daumen drücken / Unter den besten Vorlesern der BRD
Sabine findet das Bücherlesen noch richtig spannend

Bünde. Sabine Riemann, Landessiegerin der Gruppe A im Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels, ist Schülerin der Hauptschule Bünde-Mitte. Sie wird am 8. Juni in Frankfurt am Bundesentscheid teilnehmen, und dass sie sich so weit qualifizieren konnte, bedeutet für die Dreizehnjährige immerhin schon eine gewisse Berühmtheit, die den körperlich-sportlichen Wettbewerben ihrer Altersgruppe sicher in nichts nachsteht.

Der Vorlesewettbewerb, alljährlich für die sechsten Klassen aller Schulen im Bundesgebiet durchgeführt, findet in diesem Jahr zum 30. Mal statt und hat damit Jubiläumscharakter. Es geht um die Freude am Umgang mit Büchern, die Auseinandersetzung mit Inhalten und die Fähigkeit, diese Inhalte durch Vorlesen den Zuhörern zu vermitteln, soweit die Kurzinformation des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Mit Sabine Riemann eine gemütliche Kaffeestunde über ihre Erlebnisse bis hin zu diesem Sieg zu verplaudern, war reizvoll. Sie braute übrigens höchstpersönlich einen guten Kaffee, der ständig in Gefahr war, zu erkalten, so anregend und flüssig war das Gespräch. Sabine, beim ersten Eindruck ein schmales noch sehr kindlich wirkendes Mädchen, wie sie so zwischen großem (17) und kleinem (3) Bruder in der Wohnungstür stand, entwickelte sich nach den ersten Worten - so unter vier Augen - souverän im Umgang mit Sprache und Schilderung ihrer Wettstreiterlebnisse.

Da war zunächst der Schulwettstreit, dann kam die Kreisausscheidung. Bis dahin las sie noch aus dem selbst gewählten Text, zirka drei Minuten. Ihr Beitrag stammte aus dem Buch „Mit 12 fühlt man ganz anders“ von Tina Caspari. Diese Autorin hat eine Buchreihe für jedes Alter bis 17 geschrieben. Sabine liest gern in diesen Büchern und wählte für die Bezirksausscheidung das Buch „Mit 13 hat man täglich Ärger“. Aber hier wurde ihr zusätzlich schon ein fremder Text vorgelegt, aus dem ohne Vorbereitung gelesen werden musste. Sie blieb auf der Siegerstrecke, und nun lag der nordrhein-westfälische Landeswettbewerb vor ihr, der am 18. April in Borken stattfand.

Je fünf Siegerinnen und Sieger in den Gruppen A (Hauptschulen) und B (Gymnasien) mussten antreten. Wieder war ein selbstgewählter Text zu lesen und ein Fremdtext. Sabine las aus „Nico mit

den vielen Namen“ von Gina Ruck-Pauquet, und den ungeübten Lesebeitrag, an dessen Inhalt sie sich im Moment gar nicht mehr deutlich erinnert. Sie siegte, und das war eine Freude, für die Eltern und den mitgereisten Rektor und die Lehrerin.
Was sie gut findet ist, dass vom ersten Wettbewerb alle Kinder Buchprämien erhalten haben. Auch in Borken bekam jedes Kind einen Buchscheck über 50 Mark. Sie erhielt für den Sieg dann noch einen Scheck in der gleichen Höhe und für die Schule fiel auch noch einmal eine Fünfzigmarkprämie ab. „Wenn man schon bis zu dieser Entscheidung gelangt, ist das wirklich eine große Sache, ob man nun siegt oder nicht, allein dahin zu kommen bedeutet viel, und dann sollen auch alle gleich behandelt werden“, das findet Sabine gerecht. Von ihren Schecks hat sie schon nicht mehr viel Geld, sie hat schon sieben Bücher gekauft.

Und Bücher sind auch ihr Hobby. „Meine Eltern haben mir schon früh viel vorgelesen, und ich findet Lesen spannend, besonders gern lese ich Jugendbücher, in denen viel vorgeht. Fernsehen und Kassetten sind mir nicht so wichtig, Lesen ist anders, ich erlebe da mehr.“ Natürlich dreht sich das Gespräch auch um die Schule. Sie hat das Ziel, möglichst nach der Klasse 10b auf das Gymnasium zu wechseln, „wenn ich es nur schaffe“. Aber das Spektrum ihrer Lieblingsfächer, neben Deutsch, ist breit und sie wirkt sehr zielbewusst. Ist sie vor

der Bundesausscheidung in Frankfurt aufgeregt? „Ja, natürlich, ich bin immer ganz klapprig vorher (dabei schüttelt sie lebhaft Arme und Beine), es ist, als ob alles an meinem Körper nicht zusammengehört, ich kann es nicht erklären, aber einen Vorteil habe ich, auf meine Stimme wirkt sich die Aufregung niemals aus, das ist wirklich ein ganz wichtiger Punkt, man merkt mir beim Lesen nichts an.“ Die Eltern werden sie nach Frankfurt begleiten, aber es ist eine aufregende Sache. „Ich will natürlich siegen, klar, aber wenn nicht, soweit zu kommen, das ist doch wirklich toll, finden Sie nicht?“ Ja, das muss uneingeschränkt bestätigt werden.

Eine besondere Schwierigkeit scheint Sabine darin zu sehen, dass jetzt in Frankfurt auch Kinder mit Dialekten lesen werden. „Stellen Sie sich vor, in Niedersachsen sprechen sie ja noch so wie in Westfalen, aber wenn da bayerisch und schwäbisch gelesen wird, ob wir uns nicht gegenseitig irritieren werden?“ Ja, sie zieht schon mit einer Vorbelastung in dieses letzte Rennen. Aber bis ins Finale gekommen zu sein, das ist schon eine tolle Sache, und so ist ihr zu wünschen, es mit Gelassenheit anzugehen. Gute Wünsche von allen Seiten und Daumendrücken wird sie sicher begleiten. und das hilft gewiss mit.

Gerda William

Sabine Riemann hofft, dass ihr die Bünder beim Bundeswettbewerb am 8. Juni in Frankfurt die Daumen drücken.  Foto: William

 

Neue Westfälische vom 06.05.1989

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