Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

 

2006/2007

 

 

Zu Beginn dieses Schuljahres ging die Schülerzahl zurück auf nur noch 410 Jungen und Mädchen. Das bedeutete die Bildung von 22 Klassen, die von 50 Kolleginnen und Kollegen unterrichtet wurden. Ein Klassenraum im Hauptgebäude konnte daher als dringend benötigter zweiter Informatikraum eingerichtet werden.
Vom 27.11.2006 bis 29.11.2006 fand an der Hauptschule Bünde erstmalig die im neuen Schulgesetz vorgesehene Qualitätsanalyse statt. Die Analysten sahen sich insgesamt 34 Unterrichtssequenzen an und führten Interviews mit der Schulleitung, Lehrern, Schülern und Eltern durch. Die Ergebnisse sollten der Schule zeitnah mitgeteilt werden.
Der 8. große Weihnachtsmarkt wurde am 01.12.2006 veranstaltet. Wie schon in der Vergangenheit bot man verschiedene Bastelarbeiten sowie Speisen und Getränke zum Verkauf an. Neue Lichterketten schafften eine noch weihnachtlichere Atmosphäre als 2003. Bei gutem Wetter erlebten die vielen Besucher einen sehr harmonischen Ablauf mit von mehreren Musikgruppen gestaltetem Beiprogramm.
Auch in diesem Schuljahr veranstaltete die Hauptschule Bünde wieder einen Tag der offenen Tür für Eltern und Kinder der 4. Grundschulklassen. Leider kann nur von einer geringen Besucherzahl berichtet werden, die sich am 13.01.2007 in der Schule über die Angebote informierte.
Am Abend des 18.01.2007 wütete das Sturmtief Kyrill auch über Bünde. Von diesem Orkan blieb die Hauptschule Bünde nicht verschont. Eine 20 Meter hohe Pappel stürzte auf das Dach des Kunsthauses und beschädigte es schwer. An der Heidestraße fiel eine Birke um und traf den Giebel eines Pavillons. Entwurzelte Bäume eines Nachbargrundstücks versperrten den Zugang zum Schulgelände vom Südring her. Viele Dachziegel fielen vom Altbau und dem Hauptgebäude auf den Schulhof. Trotzdem konnte der Schulbetrieb am 19.01.2007 durch Sicherheitsmaßnahmen eingeschränkt stattfinden.
Am 09.05.2007 erhielt die Schule Besuch aus dem Ministerium für Schule und Weiterbildung. Zwei für die Qualitätsoffensive Hauptschule zuständige Herren sprachen in Begleitung des Schulrats Herrn Drescher und des Bezirksdezernenten Herrn Höfer mit der Schulleitung, der Steuergruppe, Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 A. Ihr besonderes Interesse galt dem Stand der pädagogischen Schulentwicklung an der Hauptschule Bünde und den inhaltlichen Konzepten der Klassen 10 A.
Der 06.06.2007 war der Entlassungstag für Schülerinnen und Schüler, die ihre 10-jährige Schulpflicht erfüllt hatten. Erstmalig fand morgens ein Gottesdienst in der St.-Josephs-Kirche für diese Jungen und Mädchen statt, der von den Religionsgruppen der Klassen 9 vorbereitet und gestaltet wurde. Am Abend führte man dann die Entlassungsfeier unter einem Zelt auf dem Schulhof als „Open-Air-Veranstaltung“ durch, da die Aula nicht genug Platz geboten hätte. Da das Wetter mitspielte, kann man von einem gelungenen Festakt mit bewährtem Programm für die vielen Gäste berichten.
Am 08.06.2007 verstarb der Kollege Herr Anger nach schwerer Krankheit. In einer außerordentlich bewegenden Trauerfeier in der Pauluskirche nahm das Kollegium am 15.06.2007 zusammen mit einer großen Zahl anderer Trauergäste von dem beliebten Kollegen, Freund und angesehenen Pädagogen Abschied.
Zum Ende des Schuljahres gingen die Kollegin Frau Neuwöhner und die Kollegen Herr Brandhorst, Herr Keller und Herr Uhlich in den Ruhestand. In einer lockeren Feierstunde verabschiedete das Kollegium sie am 20.06.2007 in einer nahe der Schule gelegenen Gaststätte bei einem Mittagessen aus ihrer Mitte
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Erinnern an den Massenmord: Die Schüler der Hauptschule umringen während der Gedenkstunde Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse. Die Mädchen und Jungen halten Schilder hoch, auf denen die Namen der Konzentrationslager stehen, in denen Bünder Juden ermordet wurden.
Bilder aus der Neuen Westfälischen - Tobias Heyer

Der Gewalt in Zukunft keine Chance geben
Veranstaltungen zum 9. November

Von Marold Osterkamp

Bünde (BZ). Der 9. November ist ein Tag gegen das Vergessen. Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse erinnerte in ihrer Ansprache zum Jahrestag der Reichspogromnacht an dieses schicksalhafte Datum in der deutschen Geschichte, erinnerte an den Hitlerputsch 1923 und den Mauerfall 1989.

Kein Tag sei allerdings gleichbedeutend mit dem 9. November 1938, als in ganz Deutschland die Synagogen brannten und jüdische Mitbürger verfolgt wurden. Der 9. November war Auftakt zu einem in der Geschichte beispiellosen Völkermord, dem Holocaust.

Die Bürgermeisterin erinnerte an die systematische Verfolgung der jüdischen Mitbürger, die auch vor Bünde nicht Halt machte. Am 10. November 1938 wurde hier die Synagoge zerstört, »und es waren Bünder SA- und SS-Männer«, die zur Synagoge zogen. Anett Kleine-Döpke-Güse erinnerte an das Schicksal von Otto und Wilhelm Spanier, einst geachtete Mitbürger in der Stadt und dann Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

Die Erinnerung an die Greueltaten dürfe niemals enden. Sie dankte den jungen Menschen, die diese Gedenkstunde vorbereitet hatten. Mehrere hundert Schüler kamen zum Mahnmal am jüdischen Friedhof der Stadt.

Die Klasse 10 der Hauptschule hatte sich im Unterricht intensiv mit dem 9. November 1938 beschäftigt und erinnerte in kurzen Texten an die Vor- und Nachgeschichte. Die Schüler mahnten, nicht die Augen zu verschließen vor rechtsradikalen Tendenzen in der heutigen Zeit, nannten die Wahlerfolge der NPD und den Fremdenhass als Gefahren, denen jeder Demokrat entgegenstehen müsse.
Die Schüler und Schülerinnen von heute, so Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse, seien nicht verantwortlich für die Taten von gestern, doch sie hätten die Aufgabe, die Erinnerung wach zu halten und antidemokratischen Tendenzen konsequent entgegenzusteuern, ohne den Nationalstolz zu vergessen. Gewalt dürfe keine Chance haben. Das sei eine Aufgabe für die Gegenwart und

Zukunft. Traditionell legten die Schülerinnen und Schüler am Ende der Gedenkfeier eine rote Rose am Mahnmal nieder, bevor sie in ihre Klassen zurückkehren. Damit gedachten sie der Millionen Toten des Holocaust, der mit der Reichspogromnacht im Jahre 1938 seinen Anfang nahm und erst 1945 endete. Die Schrecken wirken bis heute nach.

Am Abend schloss sich am Mahnmal wie in jedem Jahr die zentrale Gedenkstunde des Vereins »International« an. Jugendliche der Netzwerkgruppe und der Villa hatten die Veranstaltung vorbereitet, an der auch Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes und die Alevitengemeinde teilnahmen. An alle 54 während des Nationalsozialismus

Stimmengewaltig:

Der Opernsänger Monte Jaffe sang während der Gedenkstunde am Abend in jiddischer Sprache das „Vater Unser“.

ermordeten Bünder Juden wurde namentlich  gedacht. In diesem Jahr stand das Schicksal der Familie Levison im Mittelpunkt, ihr Leben und ihre Vertreibung aus Bünde. Thekla hat als einzige aus der Familie überlebt. Sie lebt heute in den vereinigten Staaten und schrieb der Gruppe »Netzwerk« einen Brief, in dem sie sich an ihre Jugend erinnert und in dem sie den Jugendlichen dankt, dass sie sich dafür einsetzen, dass das Schicksal der Bünder Juden nicht in Vergessenheit gerät.

Auch zwei jüdische Gäste nahmen gestern Abend an der Gedenkfeier teil. Opernsänger Monte Jaffe trug das »Schema Israel«, das heiligste Gebet der Juden vor. Paul Shalom Herlinger sprach das Gebet zum Gedenken an die als Märtyrer Umgekommenen. David Arndt, Schüler des Gymnasiums am Markt, sang am Ende der bewegenden Veranstaltung ein hebräisches Lied. Die katholische Kirche gedachte an diesem Abend ebenfalls der Opfer des Faschismus. Ihre Veranstaltung endete am späten Abend wie die anderen am Ehrenmal.

Bünder Zeitung v. 10.11.2006

Mehr als nur basteln
Hauptschule Bünde veranstaltete Weihnachtsbasar

Bünder Zeitung vom 14.12.2006
Bünder Zeitung vom 15.01.2007
Bünder Zeitung vom 20.01.2007
Bünder Zeitung vom 29.03.2007

Drei Abschlussklassen der Hauptschule Bünde begaben sich zusammen mit ihren Klassenlehrern auf Spurensuche im benachbarten Polen. Sie besuchten das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz (Foto) und die Stadt Krakau.   Fotos: BZ

Die Erinnerung muss wach bleiben
Hauptschüler eine Woche lang auf Studienreise in Polen - Auschwitz und Krakau besucht

Bünde (BZ). »Hoffnung auf eine Zukunft ohne Antisemitismus und Rassismus«, das war ein zentraler Gedanke der Studienreise des zehnten Jahrganges der Hauptschule Bünde.

Drei Klassen der Bünder Schule waren auf historischer Spuren- suche in das östliche Nachbarland Polen gereist. Bereits im Unterricht mit den Klassenlehrern Elke Schoenfelder und Burckhard Stark wurden zuvor die Berührung mit Orten und Geschehnissen der systematischen Vernichtung von mehr als 1,5 Millionen Menschen behandelt. So besuchte die Gruppe in der Reisewoche geschichtsträchtige Orte wie Oswiecim oder auch Krakau. Zusammen mit Stadtführern sprachen die Schüler über die Folgen der Konzentrationslager und des Völkermordes bis heute.

»Das Konzentrationslager Auschwitz wurde in der Stadt Oswiecim gebaut. Wer möchte schon gerne mit Auschwitz werbemäßig in Verbindung gebracht werden? Aus diesem Grund lassen sich auch kaum ausländische Investoren in dieser Stadt nieder und die Arbeitslosigkeit ist hoch«, erläuterte Stadtführer Tillmann die Folgen dieser grausamen Zeit. Eindrücke konnten die Jugendlichen bei einem Besuch und einer Führung durch das Stammlager gewinnen. Sie erfuhren, warum der 14. Juni 1940 eine so große Bedeutung in der Geschichte der polnischen

Stadt hat. »An diesem Tag erfolgte der erste Transport polnischer politischer Gefangener in das Konzentrationslager Ausschwitz. Am Anfang litten und starben Polen in diesem Lager. Später kamen auch sowjetische Kriegsgefangene sowie Sinti, Roma und andere Häftlinge aus anderen Ländern hinzu«, erzählt Klassenlehrer Burckhard Stark. Auch durch das Vernichtungslager Birkenau wurden die Klassen geführt. Die Jugendlichen lernten viel über das Leben der Gefangenen bei Schnee, Eis und Kälte.

Ab 1942 wurde Auschwitz zum Ort des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit an den europäischen Juden. In Kleingruppen bearbeiteten die Schüler die historische Entwicklung des Konzentrationslagers sowie die Organisation des Lagers.

Ein besonderer Höhepunkt der Studienreise war ein dreistündiges Zeitzeugenge-spräch mit dem 83-jährigen Holocoust-Überlebenden Tadeusz Sobolewicz aus Krakau, der als politischer Häftling geführt wurde. Eindrucksvoll schilderte der ehemalige Schauspieler den Jugendlichen sein Leben. Als 17-jähriger polnisch-katholischer Wider-standskämpfer gelangte er in die Hände der Gestapo (Geheime Staatspolizei des NS-Regimes) und überlebte sechs Konzentrationslager. Im Mai 1945 wurde er von amerikanischen

Anstasia Sauermilch und Johannes Schröder überreichen Tadeusz Sobolewicz einen Blumenstrauß. Der Zeitzeuge erzählte den Schülern über seine Zeit der Gefangenschaft in Konzentrationslagern.

Soldaten befreit. Tadeusz Sobolewicz sprach mit den Jugendlichen über die gewachsene Beziehung zwischen Polen und Deutschen und beantwortete den Schülerinnen und Schüler zahlreiche Fragen.

In den letzten Tagen der Studienreise führten Stadtbesichtigungen die Jugendlichen durch polnische Stadtviertel wie Kazimierz und in eine der ältesten Synagogen Polens sowie auf einen jüdischen Friedhof.

Am letzten Tag erkundeten die Jungen und Mädchen in Eigenverantwortung das ehemalige Krakauer Ghetto, in dem Steven Spielberg seinen berühmten Film »Schindlers Liste« drehte. Die für alle Mitreisenden spannende Woche ging bei einem gemeinsamen Abend im jüdischen Restaurant »Noahs Ark« mit jüdischer Klezmer-Musik zu Ende.

 

An der Studienreise nach Auschwitz und Krakau nahmen teil:

Elke Schoenfelder (Klassenlehrerin der 10BI), Burkhard Stark (Klassenlehrer der 10BII) sowie die Schüler und Schülerinnen: Tim Bokermann, Ferhat Celik, Christopher Cherry, Luca Griffiths, Tim Kumpert, Rexhe Veselay, Viktoria Gärtner, Regina Jajsler, Isabel Roggenkämper, Ella Schäfer, Maria Schiebert, Burhan Akdeniz, Christopher Alborough, Alexandra Deckert, Camilla Gose, Dariusz Jodlowski, Alexander Kiel, Anastasia Sauermilch, Lilia Schneider, Anastasia Severinov, Pervin Türkalp, Eugen Zeiser und Magdalena Zimmer.

Bünder Zeitung vom 12.04.2007

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