Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

Der Besuch des KZ Dachau hat die Gruppe sehr nachdenklich gemacht.

Wissen erleben, Geschichte begreifen

Hauptschüler an authentischen Orten in München

Bünde. Fünf Tage lang verbrachte der Jahrgang 10 der Hauptschule Bünde mit seinen Lehrern Rosemarie Kellermeier, Stefan Struckmeier und Elke Schoenfelder (Leitung und Organisation) in München. Dabei lernten die Schüler*innen die bayerische Landeshauptstadt als Stadt der Gegensätze kennen: urbayerisch und international, historisch, aber auch sehr modern, naturverbunden und großstädtisch. Gleichzeitig konnten sie ihr Wissen im Bereich der Naturwissenschaften/Technik vertiefen und sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus an authentischen Orten auseinandersetzen.

Wie kaum ein anderer außerschulischer Lernort in München stellt das Deutsche Museum mit seinen über 100 000 Ausstellungsobjekten wissenschaftliche Phänomene und technische Abläufe sehr verständlich dar. So wird der Weg des Stroms vom Kraftwerk bis zur häuslichen Steckdose schwerpunktmäßig an Demonstrationen gezeigt. Der Faradaykäfig in der Starkstromabteilung sorgte für enorme Spannung. Ein mutiger Jugendlicher setzte sich – wie 1836 sein Erfinder Faraday – in die Kugel, die beweist, dass sich innerhalb eines metallisch umschlossenen Raumes keinerlei elektrische Ladung befindet, wenn diese unter Spannung gesetzt wird. Blitze zuckten in der Hochspannungsanlage. Man spürte die 1 000000 Volt im verdunkelten Raum. „Ich war beeindruckt von der Themenvielfalt in diesem Museum. Die Nano- und Biotechnologie mit dem DNA-Besucherlabor gefiel mir besonders gut“, schwärmte Schüler Tim Oelsner.

 

Die Auseinandersetzung mit der „dunklen“ Vergangenheit der deutschen Geschichte erfolgte im Konzentrationslager Dachau -  unweit von München entfernt. Am Bahnhof Dachau angekommen, ging es zu Fuß den 3 Kilometer langen „Weg des Erinnerns“ entlang bis zur KZ Gedenkstätte. Damit wollte Elke Schoenfelder die Jugendlichen emotional berühren und an die historische Bedeutung des Weges erinnern, auf dem die meisten Häftlinge während der NS Zeit ins Lager gebracht wurden.  Zu den Gefangenen zählten politische Gegner des NS-Regimes, Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Menschen, die die Nationalsozialisten als „Asoziale“ oder „Kriminelle“ verfolgten. Der bekannte evangelische Theologe Martin Niemöller, der von 1942 bis April 1945 als Sonderhäftling  in Dachau gefangen gehalten wurde, erkannte während seiner Haftzeit, dass die Kirchen in Deutschland für die nationalsozialistische Machtergreifung mitverantwortlich gewesen waren. Das von ihm stammende Zitat „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich 

geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte“ machte nachdenklich und war während des Rundganges präsent. Mithilfe von elf Informationstafeln erfuhren die Schüler*innen viele Details über Methoden der SS, Häftlingseinsätze, die SS-Siedlung und die Topografie der Dachauer Lageranlage. Die Tafeln verdeutlichen den Zusammenhang und die enge Nachbarschaft, der zwischen dem Lager und der Zivilbevölkerung bestand. Entlang der heutigen „Straße der KZ-Opfer“ standen Wohnungen und Villen der Dachauer SS-Leute, die teilweise von KZ-Häftlingen errichtet wurden. Die gesamte SS-Siedlung befand sich in der NS-Zeit außerhalb des Lagergeländes und war öffentlich zugänglich. Die SS-Angehörigen lebten hier und in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager gemeinsam mit ihren Ehefrauen und Kindern. KZ-Häftlinge mussten in den Privathaushalten der SS-Familien arbeiten. „Wer sagt: “Ich habe nichts gesehen und von all dem nichts gewusst“, der lügt“, äußerte Schülerin Amina Nurkabaeva.

 

Einen Eindruck davon, was Inhaftierung im KZ Dachau bedeutete, vermittelte die Gedenkstätten-Mitarbeiterin Frau Buchfelder, die seit 20 Jahren Besuchergruppen durch das Lager führt. Sie lernte noch einige Überlebende kennen und erfüllt ihnen den Wunsch, dafür zu sorgen, dass diese grausamen, menschenver-achtenden Taten nicht in Vergessenheit geraten.

 

Das KZ Dachau ist ein ganz besonderes Konzentrationslager, denn am 22. März 1933 wurde in Dachau das erste Konzentrationslager – zunächst für politische Gefangene – errichtet. Zu Beginn gab es 4821 Häftlinge, die aus unterschiedlichen Gebieten kamen. In den zwölf Jahren seines Bestehens wurden hier insgesamt 206206 Gefangene aus ganz Europa anhand von Karteikarten registriert. Neben den Häftlingen aus dem Deutschen Reich (31456) kamen die meisten aus Polen (40395), der Sowjetunion (25113) und Ungarn (21124).

Theodor Eicke, Inspekteur für alle Konzentrationslager, machte das KZ Dachau zum Modell für alle weiteren Lager und zur „Schule der Gewalt“ für die Angehörigen der SS, unter deren Herrschaft es stand. Hier wurden sie militärisch und ideologisch geschult.

Frau Buchfelder informierte ausführlich über

Aufbau, Organisation und Lagerführung. Während des Krieges wurde die im KZ Dachau ausgebildete SS-Totenkopfdivision als militärische Eliteeinheit und Polizeitruppe eingesetzt, ihre Angehörigen trugen die Verantwortung für zahlreiche Verbrechen an der Zivilbevölkerung der besetzten Länder. Die heutige Gedenkstätte umfasst den Bereich des ehemaligen Häftlingslagers und den des Krematoriums. Der größte Teil des KZ Dachau – das Gelände der SS mit Kommandanturbereich und SS-Übungslager – ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seit 1972 wird dieses Areal von der Bayerischen Bereitschaftspolizei genutzt. Auf Nachfrage erfuhr Lehrerin Elke Schoenfelder (sichtlich erstaunt), dass diese Neunutzung in der Bevölkerung nicht kontrovers diskutiert wurde.

Während des Besuchs schlüpften alle Teilnehmer in die Rolle von Häftlingen, die gerade durch den Toreingang „Arbeit macht frei“ gekommen waren. Sehr anschaulich schilderte Frau Buchfelder Einzelheiten über Lebensbedingungen und Arbeitseinsätze von Gefangenen mit dem Ziel der maximalen Ausbeutung bis hin zum Tod. Im Krematoriumsbereich endete die Führung. Ein Teilbereich des „Großen Krematoriums (Baracke X), errichtet von Mai 1942 bis April 1943, sollte als Tötungseinrichtung und zur Beseitigung der Toten dienen. Die Anlage des Krematoriums war vom Haftlager getrennt. Nur die Häftlinge, die für die Arbeiten im Krematorium eingesetzt waren, durften das Gelände betreten. Bei der Befreiung des Lagers am 29. April 1945 stießen amerikanische Soldaten auf unzählige Leichen, die noch im Krematorium lagen. Insgesamt wurden rund 41.500 Menschen ermordet.

„Das KZ Dachau war der emotionalste Ort der Klassenfahrt. Hier habe ich erfahren, wie sehr die Häftlinge von SS-Männern, die nebenan in der SS-Siedlung als treusorgende Ehemänner und Väter lebten, physisch und psychisch aufs Grausamste gequält und gefoltert wurden. Es ist für mich einfach unvorstellbar, wie Menschen zu solchen Taten fähig sind. Der Besuch in dieser Gedenkstätte hat uns allen gezeigt, dass auch unsere Generation im Umgang miteinander sehr wachsam sein sollte. Wenn die Menschenwürde von Mitmenschen, Politikern und  Parteien missachtet wird, sollten wir gewarnt sein. Nie wieder darf vor unseren Augen eine Herrschaft des Terrors in unserem Land an die Macht kommen“, appellierte Schülersprecherin Vanessa Michalik-Bergmann.

 

Pressebericht E. Schoenfelder

04.04.2019

 

Fotoalbum
(Fotos Schoenfelder)

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