Hauptschule Bünde
 Hauptschule Bünde

<<Nie wieder! >> fordern die Schüler des zehnten Jahrgangs der Hauptschule in 13 verschiedenen Sprachen und stellen sich dem Antisemitismus entgegen. Foto: D.Dembert

»Nie wieder!«

Schüler erinnern mit Gedenkveranstaltung an Opfer der Reichsprogromnacht

Bünde (BZ). Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 ist einer der schwärzesten Tage in der deutschen Geschichte. Sie sollte allen   als ewige Mahnung gelten für das, »was Antisemitismus in einer Gesellschaft anrichten kann«, sagte Bürgermeister Wolfgang Koch anlässlich der Gedenkveranstaltung vergangenen Samstag am ehemaligen jüdischen Friedhof an der Marktstraße.

Gerade die Auseinandersetzung mit dem NS-Unrecht ruft ins Bewusstsein, welchen Wert liberales, weltoffenes und friedliches Denken für das Miteinander besitzt«, mahnte das Stadtoberhaupt eindringlich.

Gedenkstätten seien Lernorte, das Aufarbeiten der Geschichte präge das aktuelle Bewusstsein und Erinnerung könne sich in Erkenntnis wandeln, sagte Koch.

In einem Zeitraffer erinnerten Schüler der Hauptschule an die Geschehnisse der Reichspogromnacht, in der in ganz Deutschland tausende  jüdische Geschäfte demoliert und geplündert wurden, mehr als 1400 Synagogen verwüstet und teils abgebrannt, viele jüdische Friedhöfe geschändet und Menschen jüdischen Glaubens schikaniert, verprügelt und sogar 

getötet wurden.

»Niemand hat dem Antisemitismus Einhalt geboten. 1938 war das Jahr, in dem Menschlichkeit zur Ausnahme wurde und Terror zur Normalität«, erinnerte eine Schülerin daran, dass Zivilcourage den beispiellosen Ausbruch von Hass und Ungerechtigkeit in dieser Nacht hätte bremsen können.

Ihren Blick legten die Schüler auch auf die Ereignisse in Bünde: »Man wartete mit der Öffnung der Synagoge bis zum Eintreffen von Landrat Hartmann aus Herford. Dieser hielt eine Rede, während die Synagoge komplett verwüstet wurde.« Dass das Gotteshaus nicht den Flammen zum Opfer fiel, habe wohl an der unmittelbaren Nähe zu anderen Gebäuden gelegen. Auch in Bünde sei der jüdische Friedhof geschändet und das Geschäft der Brüder Willi und Otto Spanier zerstört worden.

Jugendliche seien damals dazu angehalten worden, diese Hassakte zu unterstützen, seien von ihren Lehrern klassenweise dazu ermuntert worden, warfen die Zehntklässler einen Blick auf die Rolle Gleichaltriger in jener Nacht vor 81 Jahren.

Viele Juden seien damals aus Deutschland

geflüchtet. Enteignet und völlig mittellos hätten sie in Nachbarländern Schutz gesucht und seien  oftmals auf Ablehnung gestoßen. »Niemand wollte diese verarmten Menschen haben.«

Einige der an der Gedenkveranstaltung mitwirkenden Schüler haben als Migranten selbst die internationale Klasse besucht. »Die Parallelität der Ereignisse damals zu dem Selbsterlebten von heute hat diese Schüler sehr beschäftigt«, weiß Lehrerin Elke Schoenfelder.

»Nie wieder« lautet die Forderung, die die Zehntklässler in 13 verschiedenen Sprachen auf Transparente gebracht haben und schweigend in die Höhe hielten, in Anlehnung an ein Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Musikalisch wurde die Veranstaltung, bei der Jugendliche aller weiterführenden Bünder Schulen Rosen und Steine am Gedenkstein des jüdischen Friedhofs ablegten, von Schülern des Gymnasiums begleitet.

 

Bünder Zeitung vom 09.11.2019

 

Musikalische Begleitung der Gedenkveranstaltung am ehemaligen jüdischen Friedhof liefert das Gymnasium.

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